Loiretour 2005

Schon seit dem Januar planen wir eine Wanderfahrt auf der Loire. Da wir noch nie dort waren und evtl. eine Fortsetzung geplant ist, wollen wir möglichst weit oben unsere Fahrt beginnen. Als Startort haben wir Pouilly-sous-Charlieu ausgewählt.

Im Vorfeld meldeten sich insgesamt elf Vereinsmitglieder zu der Fahrt an. Leider sind wir nachher auf eine reine Männergruppe von fünf Personen zusammengeschrumpft.

Theo (Meurer) bewältigte die Anfahrt nach Pouilly mit dem Fahrrad; er hatte sich als Gesamtziel den spanischen Pilgerort Santiago-de-Compostella auserkoren. Für unsere Tour hat er sozusagen seine Pilgerfahrt unterbrochen. Theo fuhr auf der Loiretour mit einem Yukon Expedition.

Hermann-Josef (Thar) fuhr mit einem neuen Cherokee-Kanadier zusammen mit Robert ( ) die längste Strecke. Er stellte für die Anreise seinen Kleinbus zur Verfügung und so konnten wir gemütlich die Anreise und später die Rückreise antreten.

Klaus-Dieter (Hentschel) hatte seinen alten Cherokee-Kanadier recht schwer beladen, aber dennoch machte er zusammen mit Klaus (Klüppelholz) eine recht gute Figur. Leider ließ Klaus-Dieter nachher etwas die Flügel hängen – die Temperaturen waren doch ein wenig zu viel für den Langen.

Aber jetzt sind genug der einleitenden Vorworte gesprochen – hier kommt das Touren-Tagebuch:

18. Juni 2005
Am Nachmittag um 15 Uhr treffen wir uns am Bootshaus in Siegburg die Boote zu laden. Ich denke, war haben alles erdenkliche eingepackt und mit dabei. Jetzt nur noch eine Nacht schlafen und morgen um 4 Uhr soll es losgehen.
19. Juni 2005
Punkt 4 Uhr sind wir startklar und wir verabschieden uns von unseren Frauen. Nun geht es los und die lang ersehnte Loiretour beginnt. Es steht uns eine lange Autobahnfahrt, welche uns ins mittlere Frankreich bringen wird, bevor. Nach 8 Stunden Fahrt erreichen wir bei mittaglicher Hitze unseren Ausgangsort Pouilly-sous-Charlieu, gelegen an der Loire. Den Rest des Tages verbringen wir auf dem städtischen Campingplatz, schauen uns auf einem längeren Spaziergang den Ort an und halten Ausschau nach einem geeigneten Einstiegspunkt, denn das Flüsschen am Campingplatz ist als Startpunkt nicht geeignet. Jetzt ist es Zeit ins Bett zu gehen, denn der lange Tag zollt seinen Tribut.
20. Juni 2005
Wir sind schon früh am Fluss – der Wasserstand ist noch einmal gesunken. Mal sehen, wie wir durchkommen werden. Unser heutiges Ziel ist Digoin, welches ca. 45 km entfernt ist. Am Ufer sehen wir einmal ein Kanutenpaar mit einem Kanadier. Im Laufe der Fahrt stoßen wir immer wieder auf solch seichte Stellen, dass wir die Boote treideln müssen. Unser heutigen Tagesziel erreichen wir nicht und wir legen am kleinen Ort Bonnand an. Hier an der Brücke finden wir ein nettes Restaurant mit kühlem Bier und gutem Essen. Hier können wir auch für die Nacht bleiben.
21. Juni 2005
Heute morgen ist es sehr schwül. Es hängt eine niedrige Wolkendecke und die Sonne ist noch nicht zu sehen. Die Schwierigkeiten nehmen ab, d. h. die Durchfahrten sind wasserreicher und wir setzen nicht mehr so oft auf. Nach ca. 12 km sind dann die ersten Häuser zu sehen und die Geräusche nehmen zu. Zu erst unterqueren wir eine gewaltige Autobahnbrücke und bald danach erreichen wir den „Pont Canal“. Hier müssen wir die Boote treideln oder entleeren, um dann mit dem leeren Boot das Wehr zu befahren. Hinter der nächsten Brücke erreichen wir den Campingplatz von Digoin. Nachdem wir die Zelte aufgebaut und uns ein wenig frisch gemacht haben, machen wir einen Stadtgang und dabei frischen wir unsere Vorräte auf. Am Abend gibt es ein oppulentes Mahl.
22. Juni 2005
Frisches Baguette zusammen mit der gestern erworbenen Marmelade, ein guter Kaffee, der Morgen ist gerettet. Heute haben wir uns eine 31 km lange Strecke bis Diou vorgenommen. In großen Schleifen nimmt der Fluss die volle Talbreite und so braucht der Fluss für die Linienentfernung von 23 km sage und schreibe 31 km. So gegen 16 Uhr erreichen wir den kleinen Ort, unterqueren die Eisenbahnbrücke und durchfahren einen netten Schwall – eine willkommene kleine Dusche an diesem überaus sonnigen Tag. Der Campingplatz hat zwar geschlossen, was uns jedoch nicht davon abhält hier zu bleiben. Den Abend beschließen wir mit einem erfrischenden Bad in der Loire.
23. Juni 2005
In der Nacht gab die ersten kleinen Regentropfen. Die Gruppe Hermann, Robert und Theo hatte ihr Zelt dann in der Nacht ihr Zelt noch schnell aufgebaut. Am Morgen war die Temperatur schon etwas kühler. Der Fluss zieht weiter in riesigen Schleifen. Ungefähr drei Kilometer hinter Diou erreichen wir eine alte Wehranlage. Hier müssen wir die Boote durch die scharfkantigen Felsen treideln. Dabei geht es leider nicht ohne Blessuren ab. An einer anderen Stelle passieren wir eine ca. 20 m hohe Abbruchstelle – ein Bauernhof droht bald herabzustürzen. Nach ca. 25 km erreichen wir unser heutiges Ziel in Port Thareau. Der Ort ist quasi tot.
24. Juni 2005
Wir gehen heute den Tag langsam an. Nach ca. 17 km erreichen wir in Decize den Stau, denn hier durchquert der Canal du Nivernais die Loire auf gleichem Niveau. Hier in Decize finden wir einen schönen Campingplatz an der Aron.
25. Juni 2005
Ruhetag in Decize. Am Vormittag ein Gang durch die Stadt, etwas einkaufen und Theo holt sich beim Pfarrer für seinen Pilgerausweis einen Tourstempel ab. Am Nachmittag findet auf der Loire ein Kanurennen statt. Gegen Abend lassen wir uns unser „Mittagessen“ gut schmecken – die Steaks sind doch riesengroß und ab jetzt sehen wir die auf den Flusswiesen grasenden Rinder mit ganz anderen Augen. Morgen früh wollen wir in Richtung Nevers weiterfahren. Am Morgen steht noch ein großes Hindernis im Weg – das Stauwehr.
26. Juni 2005
Langsam nähern wir uns der Stauanlage – wir hatten von anderen Wasserwanderern gehört, dass man am Besten rechts umträgt. Wir finden vor dem Wehr rechts eine Schräge. So werden zuerst die Boote teilweise entladen, auf die Bootswägelchen geladen und ab geht die Post. Die Strecke zum Schleppen der Boote und der Sachen beträgt 500 m. Jetzt wieder die Prozedur des Verladens und endlich kann es weitergehen. Bald frischt der Wind auf und durch den Gegenwind bauen sich die Wellen auf. Trotzdem kommen wir gut voran. Gegen Mittag geht der Wind und die Sonne kommt. Mit Temperaturen von über 30° Celsius ist es auch auf dem Fluss nicht mehr angenehm. An der Brücke von Imphy müssen wir eine alte Steinbarriere durchfahren. Wir finden einen spritzigen Schwall und hinter der darauf folgenden Brücke machen wir eine Rast. Bald sehen wir die ersten Gebäude der Stadt Nevers und der Fluss zieht sich wie Gummi. Von weitem können wir die Kathedrale mit der schönen Siluette erkennen. Vor der zehnbogigen mittelalterlichen Brücke finden wir den neuen Campingplatz links in der Innenkurve. Nur den Landeplatz ist noch nicht angelegt. Am frühen Abend machen wir noch einen ausführlichen Stadtgang. Den Abend beschließen wir mit einem zünftigen Glas niederländischen Bieres und eine Runde Skat.
27. Juni 2005
Nach langer teils durchzechter und durchzockter Nacht kommen wir so gegen 8 Uhr in die Pötte. An der Brücke befindet sich ganz rechts eine kleine Floßgasse. Die Kanadier nehmen die Gasse – sehr holprig. An der nächsten Sandbank treffen sich die Boote zum lenzen. Schon bald stechen wir wieder „in Fluss“. Der Morgen ist noch schön kühl. Nach einigen Kilometern kommt der Allier, der größte Nebenfluss der Loire, dazu. Die Wassermenge nimmt zusehens zu – doch der Fluss bekommt die Dimensionen eines Großflusses. Am nächsten Ort soll es eine Einkaufsmöglichkeit geben – finden wir aber nicht. Durch das Niedrigwasser haben sich riesige Kiesbänke gebildet und deshalb kommen wir nicht so einfach an die Orte heran. Nach ca. 31 km kommen wir auf zähem Wasser in La Charite an. Unter Brücke des Ortes gibt es eine schöne Durchfahrt für „Canoes“. An der mächtigen Kiesbank dahinter legen wir an, um die Boote zum städtischen Campingplatz zu schaffen.
28. Juni 2005
Klaus, Theo und Klaus-Dieter brechen hier in La Charite die Fahrt ab – es ist einfach zu heiß. Während Klaus und Klaus-Dieter sich auf den Weg zurück zum Auto machen, fahren Hermann und Robert noch eine weitere Etappe. Heute ist wahrscheinlich der heißeste Tag mit 38° Grad. Klaus und Klaus-Dieter fahren mit der Eisenbahn zurück nach Roanne. Auf dem Bahnsteig werden wir von einem anderen Reisenden auf deutsch angesprochen, ob wir ebenfalls Paddler wären und wo unser Fahrzeug stände. Es stellt sich heraus das auch sein Auto in Pouilly auf dem Campingplatz abgestellt ist. Da der nächste Autobus erst in drei Stunden fährt, nehmen wir uns zusammen ein Taxi.
Als der Fahrer des einzigsten vor dem Bahnhof wartenden Taxis uns sieht, sagt er auch schon das Ziel unserer Reise – „Camping Pouilly? – „Qui,“ kommt es wie aus einem Mund. Und so kommen wir doch recht schnell wieder an unseren Wagen. Nun geht die Fahrt so schnell wie möglich zurück nach La Charite. Hier wartet Theo schon sehnsüchtig auf uns. Gegen Abend gibt es ein schönes ankühlendes Gewitter – eine wahre Wohltat.
29. Juni 2005
Theo macht sich auf zu seinem weiten Weg nach Santiago-de-Compostella. Er fährt zunächst mit der Bahn bis Lourdes und will dann mit dem Rad die restlichen Weg fahren. Klaus und Klaus-Dieter treffen am vereinbarten Treffpunkt die beiden restlichen Paddler. Nun geht die Fahrt über Montargis, Sens, Troyes und Metz zurück nach Siegburg. Gegen 19 Uhr treffen wir hier ein. Am Abend gibt es wieder ein lang anhaltendes Gewitter, welches die halbe Nacht anhält.